Das Touren, Akt II:
Nostalgische Dekadenz

Nach dem Herbst nun der leise Ausklang des Jahres. Es wird schlagartig kälter, darum heizt Conte zum Schluß nochmal ordentlich vor. Es gibt einen neuen Artikel des »Tour-Blogs«, diesmal sogar mit Video.

»Manchmal frage ich mich, wollt‘ ich das alles?« Mathias sitzt auf irgendeinem freien Plätzchen inmitten von Kabeln, Cases und Instrumenten. Die Kleinkunstbühne der Studiobühne Siegburg ist komplett zugestellt. Wir sind in der Aufbauphase, die Zutaten liegen lose herum, warten darauf verkocht zu werden. Ja, es sieht tatsächlich ähnlich wild aus, wie in einer Küche, die ich zum Kochen missbrauchen würde.

Conte – Studiobühne Siegburg Teil 1


Unser Ziel an diesem Tage ist es unseren Sound zu checken, an den Harmonien zu drehen und den Beat fetter zu machen. Zusammen mit unserem Tonmann Uli, der dies überhaupt möglich gemacht hat. Die Realität dieser Gelegenheit, genauer der Aufwand, den wir alle dafür wie selbstverständlich betreiben, freut und schockiert uns gleichermaßen. Das einzige was in diesem Rock’n’Roll-Band-Wunschbild jetzt noch fehlte, sind Roadies, die uns auch noch die letzen Handgriffe abnehmen und nebenbei Cocktails an die Liege bringen.
Aber halt, im LaViola hatten wir tatsächlich einen Ausblick auf solche Dekadenz. Schon da starrte mich Mathias endgeistert an.

Ich träume, denke, wie weit wir doch gekommen sind, denke an den Tag, als ich mit Bongos zur ersten Probe kam. Nostalgie ist was feines. »Weißt du noch, als du zum ersten Mal mit deinem Schlagzeug in die Tagesgruppe gekommen bist?« raunt mir da Mathias von der Seite zu.
Natürlich, das war im Jahre 2004.
Ja, Nostalgie ist was feines. Vor allen Dingen wenn sie sich nicht nur auf die Vergangenheit fixiert, sondern sozusagen auch eine Zukunft interpoliert. Denn wenn aus den erstem naiven Treffen Musikinteressierter schon jetzt eine harmonierende Band geworden ist, die nicht mehr nur für sich selbst spielt … Ja, wohin kann das alles dann noch führen?
Es gibt ungemein viele Analogien für dieses Szenario: Die Saat, die endgültig aufgeht. Der Funke, der zu einer großen Flamme wird. Das wäre ideal. Hoffentlich nicht der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Oder die Zweifel, die einem raten, aus einer Mücke keinen Elefanten zu machen.

»Kannst du dich noch an den Moment erinnern, an dem du dich entschlossen hast, Songs fürs Jubiläum zu schreiben?« frage ich Mathias. Er nickt mit einem süffisanten Lächeln.