Das Touren, Akt III:
Abgleichendes Understatement

Conte kehren heim von ihrem Heimatklänge-Festivalauftritt. Ein beeindruckendes Erlebnis, so auch für Trommler Andy, der sich wieder einmal gehörig kneifen muss und dafür noch freie Stellen sucht.

Ich komme mir klein vor. So richtig, richtig klein. Direkt vor mir zermalmt der Bassist von Caliber.X nicht weniger als die Grundfesten der Welt. Die Metal-Hünen grooven das Ende allen Lebens herbei und ich bin Zeuge.
Ich kann gar nicht anders, als mich klein zu fühlen. Auch als die Rapper von DorfMusic auf der Bühne stehen. Man möchte da in kein Rededuell einsteigen.
Ich fühle mich selbst dann klein, als der Derwisch von Stolex über die Bühne rast und die Zuschauerblicke mit Leichtigkeit lenkt, als wohnten diese einem Tennisspiel bei. Und der ist ja nun wirklich nicht groß.

Aber gut, das Ganze begann schon mit dem Einkehren in den Club, in diese große Halle. Klar, wir sprechen hier nicht über die Lanxess Arena oder auch nur das E-Werk, aber für unsere Verhältnisse ist das Kubana groß.
Da schlurfte ich ganz vorsichtig mit meinem kleinen Cajon auf die Bühne und stellte sie ganz verloren vor das Schlagzeugpodest, welches zu meinem Erbarmen noch ganz leer war. Trotzdem wuselten Techniker um uns herum und ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich mich freuen oder mich unwürdig fühlen sollte.

Das alles ist wie eine Entdeckungsreise in die eigene Wunschvorstellung. Man hat schon immer davon gehört, vielleicht davon geträumt. Auf Tour!
Wie so oft kann man seine Idealvorstellungen, seine angesammelten Klischees über Bord werfen. Oder auch nicht? Das konstante Unbekannte, das Aufregende. Das Vergleichen mit den Vorstellungen, das Realisieren. Ist es das schon? Sind wir dabei? Klein, ja, aber ich entdecke die Freude am Abgleichen.

Es gab einen Moment, einen zugegeben recht langen Moment, in dem ich mich groß gefühlt habe. Als ich da so auf der Bühne saß, der Moderator Sebastian Messerschmidt vor uns stand. Er sprach diese Worte über eine Band, die jetzt spielen möge und eine dieser Stimmen in meinem Kopf flüsterte: Der gute Mann spricht über deine Band!
Wir sind also tatsächlich jetzt dran. Welke Rosen. Das Bühnenlicht blendete, hinter mir dynamisch wabernde Lichtteppiche und ich kann die Zuschauer da draußen nur vermuten … Gut, ich saß und auch meine stolzgeschwellte Brust kann nicht unter meiner typischen Cajon-Rücken-Verkümmungspose erkannt werden. Trotzdem, da fühlte ich mich groß.

Ach, passend zu diesem erhabenen Gefühl ist Mathias letztens bei der Hausarbeit eingefallen, was uns als Band und unsere Musikalität eigentlich so ausmacht. Ja, wie wahr, Reflexion ergibt sich erst außerhalb des Erhabenens. Er schrieb es auf: »Durch einen grundehrlichen Dilettantismus, gepaart mit Naivität und einer Menge Herzblut.«
Passender könnte man es nicht formulieren. Sollte öfters Staubsaugen der Mann.