Das Touren, Akt I:
Konzeptionelles Aspirin

Conte sorgt für einen heißen Herbst: Die Tour wird bald wieder eröffnet und unser Haudrauf Andy tut reflektiert. Daher wird es hier demnächst öfters Beiträge der Art »Tour-Blog« geben. Verzeiht die manchmal rohe Sprache. Die wahre Natur des Schlagzeugers lässt sich nur selten völlig verbergen …

»Mein Gott, scheiß die Wand an« und das ist noch das flätigste, was mir in dem Moment durch den Kopf geht. Meine Lampe hat Fieber, es rinnt der Schweiß, wo sich Fuchs und Hase bestimmt nicht gute Nacht sagen. Das Fundament der Band schiebt Panik, schiebt sich Aspirin Complex dagegen rein.

OK … »Wo kam denn das jetzt her?« mag sich so mancher fragen.

Nun, zur Erklärung: Das müßige Rasten unserer kleine Band ist vorbei. So langsam steigt die Spannung vor unserem ersten Auftritt und so könnte dies, das muss ich zugeben, ich vor einem Auftritt gewesen sein.
Als Zuschauer denkt man immer schnell: Die machen schon ihr Ding auf der Bühne, als wäre es eben genau das – ihr Ding. Aber du meine Güte, was da immer schief gehen kann … der Sound, meine Tonlage, das ganze Konzept!
Sind wir also wirklich so cool, zweifeln wir nicht an dem, was wir tun?

Ist es umgekehrt gar so schlimm, wie in Professor Unrat’s zweifelndem Moment, nennen wir unser Publikum »ungebildetes Pack«? Das sind Leute, die finden uns gut, sind die daher nicht auch alle doof?
Wie der gute Professor flüchte ich empört und entnervt aus dem Zimmer, flüchte vor der Auseinandersetzung.

Konzept, Zielgruppe, Zielgruppe, Aspirin Complex!
Kritik, der Nabel der Welt?

Tatsächlich, so ermüdend könnte Musik machen sein, wenn man es denn zuließe, wenn man Konzepte zu ernst nehme. Dabei soll doch gerade Musik keinen Stress machen. Sie soll einschmeicheln und einlullen, antreiben und entführen. In-sie-Fallenlassen bewirkt Entzückung, ermöglicht die Entrückung aus der Realität, die Pause vor der Verantwortung. Ein Moment der Distanz zum eigenen Leben und Eintauchen in das Leben an sich.
Wie soll das alles gehen, wenn die Schwere überwiegt?

Das ist genau das, woran ich denke, wenn ich auf die Bühne steige.
Ob das anfangs beschriebene Szenario nun zutrifft? Nun ja, es gibt immer einen wahren Kern. Der Rest sollte der Phantasie des Zuschauers überlassen werden.
Sicher ist bloß: Wenn ich dann endlich auf meinem Holzkasten sitze und die ersten Akkorde von Mathias‘ Takamine höre, dann fühle ich mich wie Professor Unrat, der da reumütig zu seiner Lola zurückkehrt.
Die Entrückung setzt ein. Der Bass hallt in den Saal, dass es mir am Arsch juckt. Ich kratze mit meinem einsetzenden Beat.
Dann ist mir wieder klar, was unterbewusst schwelte. Die Bühne, die Musik, das ist meine Sünde. Cirsten setzt ein und ich drehe ab.
Conte ist meine Beichte.

Conte lädt zu seinem nächsten Auftritt im LaViola in Siegburg. Am 22. September ab 20 Uhr stehen wir wieder auf der Bühne und beruhigen unsere Zweifel.

  • http://www.facebook.com/people/Ludger-Gülker/1045558590 Ludger Gülker

    André Du solltest Schriftsteller werden !!! Gruß -lug-